Ratgeber für Eigentümer · Stand 27. August 2026
Energieausweis für ein altes Haus: ab welchem Baujahr welcher Ausweis gilt
Für ältere Häuser entscheidet ein Stichtag: Wurde der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt, hat das Haus höchstens vier Wohnungen und wurde es nicht mindestens auf den Stand der Wärmeschutzverordnung von 1977 saniert, ist der Bedarfsausweis vorgeschrieben. In allen anderen Fällen — auch bei den meisten Altbauten — hast du freie Wahl zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis.


Auf einen Blick
Welcher Energieausweis gilt für mein altes Haus?
- Der Bedarfsausweis ist nur Pflicht, wenn alles zusammen zutrifft: bis zu vier Wohnungen, Bauantrag vor dem 1. November 1977 und keine Sanierung auf den Stand der Wärmeschutzverordnung von 1977.
- In allen anderen Fällen, auch bei den meisten Altbauten, hast du freie Wahl zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis.
- Aus dem Energieausweis folgt keine Sanierungspflicht. Er dokumentiert den Ist-Zustand.
Rechtsgrundlage heute: Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, vormals GEG). Die Regeln zum Energieausweis sind gleich geblieben.
Markierungen: Pflicht Frist / Bußgeld Spartipp Begriff
Die Baujahr-Regel im Überblick
Alle drei Bedingungen müssen zusammen zutreffen, erst dann ist der Bedarfsausweis Pflicht. Trifft nur eine nicht zu — das Haus hat fünf Wohnungen, der Bauantrag ist von 1980, oder es wurde saniert — darfst du frei wählen.
| 1 bis 4 Wohneinheiten | ab 5 Wohneinheiten | |
|---|---|---|
| Bauantrag bis 1977 | Bedarfsausweis** | Freie Wahl* |
| Bauantrag ab 1978 | Freie Wahl* | Freie Wahl* |
| Neubau | Bedarfsausweis | Bedarfsausweis |
* Für den Verbrauchsausweis müssen Verbrauchswerte aus 36 zusammenhängenden Monaten vorliegen. ** Ausnahme: Wurde das Gebäude später mindestens auf den Stand der Wärmeschutzverordnung von 1977 saniert, hast du auch hier freie Wahl.
Sanierter Altbau: die 1977er-Ausnahme
Viele alte Häuser sind längst nicht mehr im Originalzustand. Wurde das Gebäude später energetisch saniert — mindestens auf das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung von 1977, etwa durch gedämmte Außenwände oder ein gedämmtes Dach und erneuerte Fenster —, entfällt die Bedarfsausweis-Pflicht und du darfst den einfacheren Verbrauchsausweis wählen. Eine neue Heizung allein reicht dafür nicht.
Tipp
Ob dein Haus die Ausnahme erfüllt, klärt unsere Entscheidungshilfe in höchstens drei Fragen.
Verbrauchs- oder Bedarfsausweis? 3 Fragen
Du hast die Wahl. Der Verbrauchsausweis ist für dein Haus zulässig: in rund 5 Minuten ausgefüllt, 59,90 €, als PDF in 1–2 Werktagen.
Verbrauchsausweis startenBis zum 31.12.2026 ist hier ein Bedarfsausweis vorgeschrieben. Ab dem 1. Januar 2027 gilt auch für dein Haus die freie Wahl. Unsicher, was jetzt sinnvoll ist? Frag uns kurz im Chat (unten rechts).
Das lässt sich klären. Das Datum des Bauantrags steht meist in den Bauunterlagen, das Baujahr oft auch im Kaufvertrag. Frag uns im Chat (unten rechts), wir finden es gemeinsam heraus.
Kurzregel: Bauantrag ab dem 1. November 1977 oder 5 und mehr Wohnungen: freie Wahl. Nur bei bis zu 4 Wohnungen, Bauantrag davor und ohne Dämmung auf dem Stand von 1977 ist bis Ende 2026 der Bedarfsausweis Pflicht. Ab 2027 gilt für alle Wohngebäude die freie Wahl. Rechtsgrundlage: GModG (vormals GEG).
Woher weiß ich das Bauantragsdatum?
Gut zu wissen
Maßgeblich ist nicht das Einzugsjahr, sondern das Datum des Bauantrags. Es steht in den Bauakten, der Baugenehmigung oder den Kaufunterlagen; im Zweifel hilft das Bauamt. Für die Praxis genügt meist die Einordnung „vor oder nach Ende 1977" — bei einem Haus von 1965 oder 1985 ist die Antwort eindeutig, nur die Jahrgänge um 1977/78 verlangen einen Blick in die Akte.
Was ein alter Kennwert wirklich bedeutet
Unsanierte Altbauten landen häufig in den Effizienzklassen E bis H. Das ist kein Makel des Ausweises und kein Verbot — der Ausweis dokumentiert den Ist-Zustand, mehr nicht. Käufer und Mieter alter Häuser erwarten solche Werte; entscheidend ist, dass die Pflichtangaben in der Anzeige stimmen und der Ausweis bei der Besichtigung vorliegt.
Wichtig
Wichtig zu wissen: Aus dem Energieausweis folgt keine Sanierungspflicht. Die beigefügten Modernisierungsempfehlungen sind Hinweise, keine Auflagen.
Klasse A+: ≤ 30 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für Passivhaus oder sehr guter Neubau.
Klasse A: 30–50 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für Neubau-Standard.
Klasse B: 50–75 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für guter Neubau oder gut sanierter Bestand.
Klasse C: 75–100 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für sanierter Bestand.
Klasse D: 100–130 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für teilsanierter Bestand.
Klasse E: 130–160 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für unsanierter Bestand der 80er/90er.
Klasse F: 160–200 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für älterer Bestand.
Klasse G: 200–250 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für unsaniertes Haus aus Vorkriegszeit oder 50ern.
Klasse H: > 250 kWh je m² und Jahr (Endenergie), typisch für sehr hoher Energiebedarf.
Die Klasse steht auf Seite 1 deines Ausweises und gehört bei Verkauf oder Vermietung in die Anzeige.
Deine Klasse herausfinden: Verbrauchsausweis erstellen →Diese Unterlagen brauchst du beim alten Haus
Für den Verbrauchsausweis genügen wenige Angaben:
- Baujahr bzw. Jahr des Bauantrags
- Beheizte Wohnfläche
- Heizkostenabrechnungen aus 36 zusammenhängenden Monaten (jüngste höchstens 18 Monate alt)
- Energieträger der Heizung — und, falls saniert: das Jahr der Sanierung
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Jetzt startenHäufige Fragen
Ab welchem Baujahr ist der Bedarfsausweis Pflicht?
Pflicht ist der Bedarfsausweis nur für Wohngebäude mit höchstens vier Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde und die nicht mindestens auf den Stand der Wärmeschutzverordnung von 1977 saniert sind. Ab Bauantrag 1978 oder ab fünf Wohnungen besteht freie Wahl.
Mein Haus ist von 1960, aber saniert — darf ich den Verbrauchsausweis nehmen?
Ja, wenn die Sanierung das Gebäude mindestens auf das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung von 1977 gebracht hat — typischerweise durch Dämmung von Außenwänden oder Dach und neue Fenster. Eine neue Heizung allein genügt nicht.
Ist der Verbrauchsausweis beim Altbau ungenauer?
Er misst etwas anderes: den tatsächlichen Verbrauch der Bewohner statt des rechnerischen Bedarfs des Gebäudes. Beide Ausweisarten sind rechtlich gleichwertig, zehn Jahre gültig und tragen eine amtliche Registriernummer.
Muss ich mein altes Haus wegen eines schlechten Kennwerts sanieren?
Nein. Der Energieausweis dokumentiert den Ist-Zustand und löst keine Sanierungspflicht aus. Die enthaltenen Modernisierungsempfehlungen sind unverbindliche Hinweise.
Fachlich geprüft von Dipl.-Ing. Thorsten Seckert (TU Darmstadt), nach § 88 GModG ausstellungsberechtigt · Stand: 27. August 2026
